SAMMLUNG STEINLE

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Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats Februar 2015

Walter Dahn „Die intelligente Ziege“ 1982

Als die Musik rau und ungezähmt war, die „Sex Pistols“ Bühnen und bürgerliches Denken zertrümmerten, hämmerten deren verzerrte Akkorde auch in Kellern, Hinterhöfen und Mansarden-Ateliers, in denen junge Künstler sich die Freiheit nahmen, nichts zu verbieten und alles zu erlauben. Nicht von ungefähr blickte man in Kreisen der etablierten Kunstszene mit Argwohn auf Gruppen wie jene um Walter Dahn, den einstigen Meisterschüler von Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie. Der 1954 geborene Dahn, der als Bildhauer, Maler, Fotograf, Zeichner heute längst auch international zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart zählt, gründete gemeinsam mit George Jiri Dokoupil und anderen die Ateliergemeinschaft „Mühlheimer Freiheit“, die in den 1980er Jahren als „Junge Wilde“ von sich reden machte. Just in dem Jahr seiner ersten Dokumenta-Teilnahme fertigte er seine „Intelligente Ziege“, die das Titelblatt des Begleithefts einer ambitionierten und nicht unumstrittenen Ausstellung im Ulmer Museum zierte: „Tendenzen 82“. Aufgrund der Verpflichtung, das „Publikum auch mit den neuesten Tendenzen der zeitgenössischen Kunst zu konfrontieren“, habe man sich zu der Präsentation einer ganzen Reihe junger deutscher Künstler entschlossen, erklärte der damals zuständige Dr. Norbert Nobis – wohl wissend, dass diese Ausstellung in manchen Kreisen auch auf Unverständnis stoßen würde. „Mit dieser Ausstellung wollen wir einen ersten Überblick über die neuen malerischen Tendenzen vermitteln. Die Jahre erst können entscheiden, ob wir es wirklich mit einer (r)evolutionären Neuerung zu tun haben, die die Kunst unserer Zeit anhaltend prägen und beeinflussen wird, oder ob es eine kurze Zeiterscheinung ist, die unsere heutige politisch und wirtschaftlich unsichere Zeit begleitet.“ Günter Steinle, dessen Fondation das Projekt finanziell unterstützte, war von der Nachhaltigkeit überzeugt. Und er sollte recht behalten, nicht nur wegen des Erwerbs von Dahns „intelligenter Ziege“. Unter den ausgestellten Künstlern gelangten nicht wenige später zu Weltruhm – etwa der legendäre Martin Kippenberger, dessen Kunstwerke mittlerweile zu Höchstpreisen gehandelt werden. Während Kippenberger in noch jungen Jahren einem Leberleiden erlag, lebt Walter Dahn in Köln und lehrt seit 1996 als Professor für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Ende der 80er Jahre hatte sich Dahn von der reinen Malerei als direktem Ausdrucksmedium abgewandt – an die Stelle der Expression traten Selektion und Komposition. Seine Methode des Arrangierens von Fundstücken und Farbflächen bezeichnet Dahn selbst als „konzeptuelle Malerei“. Dass er von Beuys „erweitertem Kunstbegriff“ geprägt ist, kann er bis heute nicht verleugnen, was seinem Credo als Kunstlehrer zu entnehmen ist: „Wer spricht ist Lehrer und wer zuhört ist Lernender – und dieses Verhältnis ist jederzeit umkehrbar.“

Bernd Rindle

Kunstwerk des Monats Februar:
Walter Dahn „Die intelligente Ziege“ 1982, Maße 150/100

An der Ulmer Ausstellung „Tendenzen 82“ beteiligte Künstler:

Hans Peter Adamski

Ludwig Arnold

Peter Bömmels

Werner Büttner

Walter Dahn

Jiri Georg Dokoupil

Rainer Fetting

Ralph Fleck

Friedemann Hahn

Martin Kippenberger

Helmut Middendorf

Gerhard Naschberger

Albert Oehlen

Markus Oehlen

Salome
Andreas Schulze

Volker Tannert

Bernd Zimmer

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Mein erstes Bild (im Auftrag) 1967,

Herbert Oehm „Additive Farbabläufe“

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