SAMMLUNG STEINLE

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Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats März 2015

Rolf Glasmeier „Kleiderbügelhalter “ 1970, 90/90

Konkreter als das, was Rolf Glasmeier in den 1960-er Jahren präsentierte, kann Kunst nicht sein. Gleichwohl sorgte er mit seinen neu angeordneten und ihrer eigentlichen Funktion enthobenen Alltagsgegenständen zunächst für Irritationen. Die Idee, Verschlüsse von Milchflaschen, Kleiderbügel, Flaschenöffner oder Regalschienen in bewegliche Kunstobjekte zu verwandeln und sie in der Formation neu zu strukturieren, ist zunächst „nicht als Kunst, sondern als Gag eines durchgeknallten HfG-Studenten gesehen worden“, erinnert sich Günter Steinle an die erste Ausstellung der „Kaufhausobjekte“ in einem Ulmer Haushalts- und Eisenwarenladen, die er gemeinsam mit dem Künstler vorbereitet hatte. Sogar Glasmeier selbst sagte einmal von sich: „Ich mache keine Kunst, der Betrachter, Spieler macht die Kunst. Ich entwerfe Programme.“

 

In der Tat rief Glasmeier, der von 1965 bis 1968 Visuelle Kommunikation an der Ulmer Hochschule für Gestaltung studierte, mit seinem Objekten optisch irritierende Wirkungen hervor und animierte den Betrachter zum Eingreifen und Anfassen, zur Interaktion. Und jedes Kippen, Drehen, Ziehen machte die Veränderlichkeit deutlich und schaffte eine sich immer erneuernde Anmutung. Sein Umgang mit Materialien der Konsumgesellschaft machte sie ungewöhnlich, weil er sie aus dem Kontext riss.

 

Mit den Jahren änderten sich die verwendeten Materialien, von 1975 an entstanden Kartonagenobjekte, wobei Glasmeier an der aktiven Mitwirkung des Betrachters und der Veränderbarkeit der Werke festhielt: unter anderem wurden einzelne Bildelemente durch Klopfen erst sichtbar. In den 1980er verwendete Glasmeier vornehmlich Recyclingmaterial und Fundstücke, die neu geformt und zusammengesetzt wurden.

 

Aus der anfänglichen öffentlichen Irritation erwuchs schnell Anerkennung. Bereits 1967 erhielt der Fotograf, Typograf, Bildhauer, Grafiker, Zeichner und Objektkünstler den Gelsenkirchner Kunstpreis – jener Stadt, in der Glasmeier aufgewachsen war und 1969 die Künstlergruppe „B1“ gründen sollte, bevor ihm ein Jahr später  das Stipendiat für die Villa Massimo in Rom zugesprochen wurde. 1985 wird Rolf Glasmeier zunächst Dozent für Typografie an der Fachhochschule Dortmund, vier Jahre später erhält er eine Professur für Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Kiel. Unter anderem gewinnt er den ersten Preis für Skulpturen auf der 6. Biennale in Paris.

 

Seine Kunst ist längst in zahlreichen großen internationalen Museen zu sehen, vom Museum of Modern Art in New York bis zur Neuen Sammlung München. Das Neue Museum in Ingolstadt widmet ihm, der 2003 just in dem Jahr in Gelsenkirchen verstorben ist, in dem er noch das Stipendium der „Cité Internationale des Arts Paris“ erhalten hat, eine Dauerausstellung.

 

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