SAMMLUNG STEINLE

SAMMLUNG STEINLE

Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats Mai 2015

Keith Haring, „1984“ 1984, 120/90

Dass in der Geschichte der Menschheit oftmals der Zufall Pate großer Entdeckungen war, ist landläufig bekannt. Das mag auch für die Kunst gelten, in dessen weitem Feld es bisweilen schon auch an Fortune bedarf, um groß herauszukommen. Wobei sich  Kunstsammler bei einem Erwerb vornehmlich auf ihre gute Nase und Stilsicherheit verlassen. In vorliegendem Fall war es zumindest eine glückliche Fügung, die Günter Steinle zuteil wurde, als er vom damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth zur Preview der „Art Cologne“ eingeladen wurde. Was neben der Ehre auch die Gelegenheit mit sich brachte, sich der dargebotenen Kunst in aller Ruhe zu nähern, ohne Publikumsverkehr.

 

Bei ihrem Rundgang stießen die honorigen Herren auf einen wenig aufgeräumten Galeristen aus New York, „dessen Sachen überall auf dem Boden herum lagen“, erinnert sich Günter Steinle. Der Mann entschuldigte den Zeitverzug, weil sein Flugzeug Verspätung gehabt habe, was Steinle allerdings nur noch mit halbem Ohr vernahm, denn seine Aufmerksamkeit gehörte längst den Bildern, die ihn in ihren Bann gezogen hatten: „Das ist ja so affenstark, was der da macht“, sagte Steinle und fragte: „Kann man die schon kaufen?“ Man konnte, allerdings ließ der Amerikaner die potenziellen Käufer wissen, dass die Bilder des ehemaligen Subway-Graffiti-Sprayers mittlerweile schon ziemlich teuer seien, zumal er sich in den USA schon einen Namen gemacht habe: 1900 Dollar pro Exemplar! „Innerhalb von ein paar Minuten hat er fünf Werke verkauft“, erinnert sich Steinle an die erste Begegnung mit Werken des Künstlers, der einmal zu Weltruhm gelangen sollte: Keith Haring.

 

Dessen Leben und Karriere im Zeitraffer abliefen. Doch das, was während seiner kurzen Schaffenszeit entstand, setzte Maßstäbe. Und dass der Mann aus Reading/Pennsylvania eigentlich Comiczeichner werden wollte, der Werbegrafik in Pittsburgh und an der School of Arts in New York studierte, war seiner Kunst immer anzusehen. Mit traditioneller Malerei hatte er nichts am Hut, wie er 1978 seinem Tagebuch anvertraute: „Aus irgendeinem Grund schrecken Leinwand und Ölfarbe mich ab. Je mehr ich sie benutze, desto mehr hasse ich sie.“ Vielmehr entdeckte er die Straße, Abrisshalden und U-Bahnhöfe als sein Atelier und hinterließ allerorten im öffentlichen Raum seine formreduzierten Figuren und farbstrotzenden Bildergeschichten. Bei seinen illegalen Kunstaktionen wurde er nicht selten festgenommen.

 

Was Harings Verständnis „Kunst ist für alle da" nicht einzuschränken vermochte, zumal er seine Arbeit immer als Teil des öffentlichen Raums verstanden hat. Rund 10 000 seiner „Subway Drawings“ im Comic-Stil schmückten zwischen 1980 und 1985 die New Yorker U-Bahn, wobei er auch mit LKW-Planen experimentierte und sich selbst auf der Berliner Mauer verewigte. Was letztlich auch die internationale Kunstszene auf ihn aufmerksam machte. Nicht zuletzt Harings Strich mit seiner unbändigen Stärke und Ausdruckkraft und seiner fast abstrakten Bildsprache bei der sich Personen und Gegenstände in Linie und Form aufzulösen schienen, sorgten für Aufsehen und Anerkennung. Was ihn selbst erstaunte: „In nur einem Jahr hat meine Kunst mich nach Europa gebracht und mich irgendwie ins Rampenlicht geschleudert.“

 

Keith Haring wurde nur 31 Jahre alt. Er erlag 1990 seiner AIDS-Erkrankung.

W. Scheel (Bundespräsident a.D.),
G. F. Reinz (Bundesverband deutscher Galeristen),
 L. Späth (Ministerpräsident Baden-Württemberg a.D.),

W. Reckermann (Galerist), und
G. Steinle (Unternehmer)  auf der „Art Cologne“

European Music Project (mit Jürgen Grözinger)

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