SAMMLUNG STEINLE

SAMMLUNG STEINLE

Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats Juni 2015

Yayoi Kusama, „Reisbild“ 1962, 125/90

Es sind bisweilen verschlungene Pfade, auf denen die Kunst zum Liebhaber kommt. Wege, auf denen es Begegnungen gibt, aberwitzige Zufälle und glückliche Umstände. Alles begann mit einer Anfrage eines Galeristen an Günter Steinle Anfang der 70-er Jahre, ob er denn nicht als Bauträger ein gemeinsames Projekt mit einem Wiener Architekten, Bildhauer und Objektkünstler durchführen wolle, der lange Zeit in den USA gelebt hatte. Steinle hatte Interesse und lernte so Hans Hollein kennen, den Pionier der Postmoderne in der Architektur.

 

Da die Chemie zwischen den Beiden stimmte, die auf Anhieb einen Draht zueinander gefunden hatten, eröffnete Hollein seinem Partner, dass er den österreichischen Pavillon bei der Biennale in Venedig 1972 gestaltet hatte und lud ihn zur Preview in die Lagunenstadt ein, wo sich eine Woche vor der offiziellen Eröffnung alle maßgeblich Beteiligten trafen. Dort hatte Günter Steinle eine denkwürdige Begegnung auf einer Toilette, wohin ihm ein Unbekannter gefolgt war.

 

Jenem Mann war nicht entgangen, dass Steinle bei dem Fest in einem Obstgarten auf dem Lido mit einer Tischnachbarin geflirtet hatte, weshalb er sich gehalten sah, eine Warnung auszusprechen. „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber seien Sie bitte vorsichtig, das kann für sie lebensgefährlich werden“, sagte der Unbekannte. Denn bei der Dame handle es sich um die Tochter eines bekannten Mafioso.  Günter Steinle nahm den Rat an, bedankte sich bei dem Mann für die Information und fragte nach, wer er denn sei? „Ich mache den deutschen Pavillon“ sagte er und stellte sich als Gerhard Richter vor.

 

Einen der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts vor Augen zögerte Steinle keine Sekunde und wollte Richter ein Bild abkaufen. Eine Transaktion, die nicht am Geld scheiterte, sondern am Großformat des gewünschten Werks. „Das Gemälde hätte durch keine Tür und kein Fenster gepasst“, bedauerte Steinle seinen Verzicht auf den Erwerb. Dennoch sollte der alsbald in den Besitz anderer Kunstwerke kommen.

 

Denn fatalerweise war just zu dieser Zeit der eingangs erwähnte Galerist in finanzielle Not geraten, woraufhin sich Günter Steinle sofort bereit erklärt hatte, im aus der Misere zu helfen und sämtliche Kosten zu übernehmen. Als Gegenleistung sollte er Werke aus der Sammlung des Galeristen erhalten. Und so stieß Steinle auf die japanische Künstlerin Yayoi Kusama. „Sie war damals völlig unbekannt“, erinnert er sich, „wurde nicht akzeptiert und galt der Kunstszene als völlig abweichend“.  Und das, obwohl sie bereits seit 1957 im kunstliberalen New York lebte.

 

Ihre mit Augen, Punkten oder Einzellern übersäten Acrylmalereien wirken wie Sequenzen aus ihren Träumen und bisweilen Albträumen. In der Tat versucht sie ihren Problemen künstlerisch zu begegnen. Wie sie einmal selbst sagte, sei ihre Kunst die Medizin, um Schmerz und Angstzustände zu bekämpfen. Damit hielt sie sogar Einzug in die Welt der Edel-Mode, zumal ihre Muster Taschen, Röcke, Hosen, Schuhe und Sonnenbrillen der Nobelmarke Louis Vuitton zieren.

 

Heute gilt die 1929 in Matsumoto geborene Malerin, Grafikerin, Bildhauerin als wichtigste Nachkriegskünstlerin Japans und ist als Großmeisterin der „Polka Dots“ weltberühmt. International bekannt wurde die psychisch labile Frau auf der 1993er Biennale in Venedig, wo sie eine Rauminstallation mit Spiegeln und Skulpturen in Kürbisform zeigte. Ihre Werke sind in allen namhaften Museen rund um den Globus zu sehen, von der Londoner Tate Gallery über das Centre Pompidou in Paris bis zum Museum of Modern Art im Herzen Manhattans.

 

 

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