SAMMLUNG STEINLE

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Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats Juli 2015

Arman, „Geige“ 1962, Höhe 57 cm

Auf den ersten Blick ist der Mann auf Krawall gebürstet. Einer, der Leinwände bewirft, Müll arrangiert und Gegenstände in die Luft jagt, dem wenig fremd ist, wenn es um Kunst und Aussage geht. Was dabei entsteht, wenn ein Südfranzose von einem deutschen Dadaisten beeinflusst wird, ist unübersehbar. Unstrittig ist, dass Kurt Schwitters Werk nicht spurlos an Armand Pierre Fernandez vorbei gegangen ist, der als „Arman“ Weltgeltung erlangte und als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Realismus in einer Reihe steht mit Niki de Saint Phalle, César, Christo, Yves Klein, François Dufrêne, Jean Tinguely, Raymond Hains, Daniel Spoerri und anderen Vertretern des Neodadaismus.

 

Der 1928 in Nizza geborene Arman, der wegen eines Druckfehlers auf einer Eintrittskarte zu seinem Künstlernamen gekommen ist, weil das „d“ am Ende seines Namens vergessen worden war, hat sich bereits mit 30 Jahren von der herkömmlichen Malerei verabschiedet, nach dem seine Studien an der École des Arts Décoratifs und der École du Louvre beendet hatte. Streitbar war und blieb er indessen immer. Nur mit höchster Mühe hatte ihn die Galeristin Iris Clert überreden können,  besagte Ausstellung nicht zu abzusagen, als sie ihn mit folgenden Worten zur Brust nahm: „Hör zu, mein Lieber, du bist völlig unbekannt. Du hast zehn Freunde, die sich an deinen Vornamen erinnern. Außerdem muss man bei Armand an einen Friseurgehilfen denken. Die nächste Ausstellung machen wir ebenfalls unter dem Namen Arman, oder wir lassen es bleiben.“

 

Der Rest ist Kunstgeschichte. Wobei Arman mit seinen Aktionen stets Aufsehen erregt und Überraschungen erzeugt hat - und zwar kompromisslos. So wie mit seinen „Interventionen am Gegenstand“: Bei Dreharbeiten zu einem Film der NBC News etwa zerschmetterte der Künstler vor laufenden Kameras einen Kontrabass und nannte das Ergebnis „NBC Rage“. Anders als Schwitters war für ihn der bildnerische Wert der  Gegenstände nicht wichtiger als das Material selber. „Ich  behaupte, das der Ausdruck des Abfalls, beziehungsweise der Gegenstände einen Wert an sich besitzt, ganz unmittelbar, dass er frei ist von jedem ästhetischen Gestaltungswillen, der sie abstempelt und sie gewissermaßen zu den Farben einer Palette macht“, machte Arman angesichts seiner aus Fundstücken und Abfall zusammengestellten Assemblagen, Akkumulationen und Collagen deutlich.

 

Arman geht auch bei der Malerei unkonventionelle Wege. Er überzieht Gegenstände mit Farbe und schleudert sie auf die Leinwand, wo sie unterschiedliche Abdrücke hinterlassen. Die so entstandenen Bilder heißen „allures d'objets“.  Wobei Amand auch anderweitig künstlerisch wütet. Zerschnittene Objekten werden zu „Coupes“, zertretene, zerrissene oder anderweitig demolierte zu „Colères“. Um  „Combustions“  entstehen zu lassen, scheut sich der Künstler auch nicht Gegenstände zu verbrennen oder gar in die Luft zu jagen.

 

Alle Aktionen Armans, der 77 Jahre alt wurde, hatten stets eines gemein: die Kritik am Konsumverhalten der Gesellschaft und nicht zuletzt auch am Kunstbetrieb.

 

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