SAMMLUNG STEINLE

SAMMLUNG STEINLE

Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats August 2015

Andy Warhol, „Marilyn“ 1967, 91,4 x 91,4 cm

Wie so oft beginnen die großen Dinge im Kleinen. Mit einer Idee, einem gerüttelt Maß an Mut und noch mehr Unbeirrbarkeit. Ist das Umfeld zudem gedeihlich, kann aus einem Ulmer Möbelverkäufer einer der international renommiertesten Galeristen werden. Obwohl Hans Frieder Mayer und seine Freunde aus dem Dunstkreis der Ulmer Hochschule für Gestaltung, die ihn bis heute nur „Hansa“ nennen, eine große Affinität zur Kunst und ihren Protagonisten besaßen, löste Mayers Vorhaben, eine Galerie zu eröffnen, zwiespältige Gefühle aus. „Wir waren schon ein bisschen skeptisch, ob man mit einer Galerie Geld verdienen kann“, bekennt Mayers Weggefährte Günter Steinle unumwunden.

 

Zumal der damals 25-jährige mit seiner „(op) art Galerie“ 1965 in Esslingen Neuland betrat und es noch nicht abzusehen war, dass er einmal zum Crossover-Galeristen der ersten Stunde werden sollte. Unterstützt wurde Mayer wesentlich durch die erfolgreiche Pariser Galeristin Denise René, die, wie sich Günter Steinle erinnert, bereits „wichtige Künstler, denen sie den Lebensunterhalt finanzierte, unter Generalvertrag hatte“. Zudem erhielt er für seine Ausstellung Gemälde und Graphiken vom Direktor der Städtischen Kunstgalerie Bochum, Peter Leo, und nicht zuletzt von dem in die USA emigrierten Bauhauslehrer und -künstler Josef Albers. Uns so bekamen die Esslinger unter anderem auch Werke von Otto Herbert Hajek, Victor Vasarely und Max Bill zu sehen.

 

Hans Mayer blieb sich auch fürderhin treu und folgte unbeirrt seiner Nase auch nach seinem Umzug nach Nordrhein-Westfalen, wo er unter anderem in Düsseldorf 1969 seine Galerie eröffnete – mit Werken von Andy Warhol. Denn mittlerweile widmete er sich verstärkt der Pop-Art und stellte neben Warhol auch die anderen US-Szene-Ikonen wie Roy Lichtenstein und Keith Haring aus. Dabei ließ er es bisweilen auch bewusst „krachen“, als er bei einer Präsentation Andy Warhol und Joseph Beuys miteinander konfrontierte. So wurde die Galerie am Grabbeplatz zu einem der renommiertesten internationalen Kunst-Spots. Nicht von ungefähr gehörte Mayer auch zu den Gründern der des „Kunstmarkts Köln ’67“, aus dem die „Art Cologne“ hervorgehen sollte.

 

Und wenn er seine Kunstsammler besuchte, hatte er nicht selten einen Künstler dabei, erinnert sich Günter Steinle an viele Begegnungen. „So hatte ich unter anderem das Vergnügen, mit Jesús Rafael Soto im Neuthor Hospiz zu speisen.“ Offenbar war das Plaisier ganz auf des als äußerst sparsam bekannten Künstlers Seite, denn überraschenderweise „hat Soto die Zeche übernommen“. Dafür unterstützte Steinle seinerseits die Entstehung eines Bühnenvorhangs der New Yorker Künstlerin Susan Pitt für das Stadttheater Wiesbaden. Zum Dank waren Sponsoren um Günter Steinle und Siegfried Weishaupt Gäste einer „Zauberflöte“ und eines Galadiners.

 

Und beinahe wäre Steinle in den Genuss eines Portrait seiner selbst durch Andy Warhol persönlich gekommen, was sein alter Freund Hans Mayer möglich gemacht hätte. Doch Günter Steinle hatte den Mehrwert für die Allgemeinheit im Sinn: „Es kam die Idee auf, lieber das Münster porträtieren zu lassen, als einen schwäbischen Charakter-Kopf.“ Zur Finanzierung hätten 25 Drucke a  1000 Dollar verkauft werden sollen, doch wegen Warhols Erkrankung ist das Projekt nicht zustande gekommen.

 

Im Gegensatz zu anderen: Zum verhältnismäßigen Schnäppchenpreis von 25 000 Dollar konnte man sich vom Pop-Art-Star höchst selbst malen lassen. Auf diese Weise entstanden knapp 1000 Portraits nach zumeist gleichem Schema: Als Vorlagen dienten Polaroid-Fotos, die abgebildeten Konterfeis verfremdete Warhol maltechnisch und brachte sie mit Acryl und Serigraphie-Tinte in unterschiedlichen Kolorationen auf die Leinwand. Das wohl legendärste und berühmteste Portrait aus der Feder Warhols ist jenes von Marilyn Monroe. Ein in Türkis gehaltenes Grafik-Exemplar findet sich in der Sammlung von Günter Steinle. Und was gibt es schöneres, als von Norma Jean Bakers Lächeln begrüßt zu werden...

© GÜNTER STEINLE 2016   //   KONTAKT   //   IMPRESSUM