SAMMLUNG STEINLE

SAMMLUNG STEINLE

Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats Oktober 2015

Kuno Gonschior, „VIBRATION
ROT-GR-BLAU-VIO”, 1967, 95 x 90 cm

Obwohl sie nur 15 Jahre existiert hat, übt ihr Name in der Welt des Designs bis heute eine elektrisierende Wirkung aus: Hochschule für Gestaltung Ulm. Zwischen 1953 und 1968 wurde die von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill gegründete HfG zu einer der einflussreichsten Hochschulen für Gestalter weltweit. Neben den legendär gewordenen Entwürfen setzt die als „Ulmer Modell“ bekannt gewordene Design-Kombination aus Wissenschaft und Technik auch gegenwärtig noch Maßstäbe.

 

Wer tagsüber dort oben auf dem Kuhberg studierte und lehrte, saß abends unten in der Stadt im fast ebenso legendären „café plus galerie“ zusammen, dessen Konzept in der Gastro-Szene nicht minder Maßstäbe setzte. Nicht allein wegen der Kombination aus Lokal und Kunstraum, auch aufgrund der liberalen, toleranten und freigeistigen Ausrichtung der Betreiber Monica Rindle und Heinz-Günther Schmid war das Café der zentrale Treffpunkt der Intellektuellen- und Kunstszene, von kritischen und weniger kritischen Geistern. Nur Vertreter der Kleinbürgerlichkeit mieden den Laden eher, ihnen war bereits der Umstand, dass Gäste im Schaufenster sitzen konnten, suspekt.

 

Sitzen konnte man übrigens auf Möbeln, die in der HfG ersonnen wurden, wobei manche Gäste auch an Instrumenten Platz nahmen, wenn beispielweise bei Vernissagen Jazz benötigt wurde – darunter auch Günter Steinle. Der griff aber auch nach Kunstwerken, etwa aus der Feder von Kuno Gonschior (1935-2010), dem einst das „café plus galerie“  eine Ausstellung widmete und damit quasi die Farbe nach Ulm brachte.

 

Denn genau das war es, was Gonschior Zeit seines Künstlerlebens umtrieb und seine Gemälde auszeichnete: Ein geordnetes Wirrwarr aus Farben, Figuren und Formen – Räume, die aus Licht erbaut schienen. Dass mag seiner Herkunft geschuldet sein, als einer, der in Wanne-Eickel, im Herzen des grauen Ruhrgebiets geboren wurde und später in Köln und Düsseldorf zusammen mit Gotthard Graubner und HA Schult studierte. Nicht von ungefähr gründete er mit anderen Künstlern die Gruppe „B1“ mit dem Ziel, den durch Schwerindustrie und Bergbau geprägten Kohlenpott kulturell aufzuwerten.

 

Das tat er mit einer konsequenten, geradezu wissenschaftlich-malerischen Untersuchung der Farbsubstanz. Der konkreten Kunst und der op-Art verpflichtet, operierte er mit der Raumwirkung der Farbe, mit dem Zusammenspiel der Komplementärkontraste und den dadurch in den Augen entstehenden retinalen Nachbildern. Was besonders augenfällig wird und mitunter zu 3-D-Effekten und optischen Täuschungen führt, seit Gonschior auch Neonfarben benutzt, die speziell bei Schwarzlicht ihre optische Farbsuggestion voll entfalten.

 

Nach der Documenta VI in Kassel 1977 stellte Gonschior international aus, vornehmlich in den USA und Japan. 1982 erhielt er eine Professur für Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, 1999 den Deutschen Kritikerpreis. Im Jahr 2000 kehrte er ins Ruhrgebiet nach Bochum zurück. Mit einem Ruf, den er redlich erworben hat: Rezensenten galt er längst als „Farbmagier“ und dessen Kunstwerke als „Farbhexereien“.

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