SAMMLUNG STEINLE

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Informationen zu Kunstwerken

Das Kunstwerk des Monats November 2015

Mario Schifano, 1962, 90 x 120 cm

Mindestens so bewegt, wie Mario Schifanos Leben, war auch sein Kunstschaffen. Grenzen haben für den 1934 in Libyen geborenen und nach dem 2. Weltkrieg in Rom sozialisierten Universalkünstler höchstens dann eine Rolle gespielt, wenn er sie überschreiten, durchbrechen konnte. Dass er einmal als einer der bedeutendsten Vertreter der italienischen Postmoderne gelten sollte, hatte sich bereits 1962 abgezeichnet, als er seine Gemälde und Collagen im Rahmen der „Neue Realisten“-Reihe der New Yorker Sidney Janis Gallery ausstellte – neben Werken von Andy Warhol und Roy Lichtenstein.

 

Unangepasst und kompromisslos führt Schifano als Mitglied der Künstlergruppe um Franco Angeli und Tano Festa im Geiste der „Scuola romana“, der römischen Schule, der Gesellschaft fragmentarisch Konsumgüter vor Augen, die zu den bekanntesten Werken des Genres werden sollten, wie der legendäre Coca Cola-Werbeschriftzug. Er ist politisch, mischt sich ein und hält künstlerisch auch nicht mit seiner Kritik am Vietnam-Krieg hinter dem Berg. Er sucht und fordert „die gerechte Lösung der Widersprüche im Schoß der Gesellschaft“.

 

Schifano nutzt Schablonen und Sprühfarbe, was ihm „street credibility“ beschert, wie eine seiner berühmten Serien zeigt, die auf legendärer Fotografie italienischer Futuristen in Paris aus dem Jahr 1912 basiert. Wie andere Pop-Künstler verbindet auch er Bildquellen mit Materialien jenseits der klassischen Kunstwelt. So bedeckte er seine Malerei in den 1960er Jahren nicht selten mit strukturiertem Acrylglas, was Bildbrechungen und Verzerrungen entstehen ließ.

 

Mit seinen unterschiedlichen Werken war Schifano auf beiden Seiten des Atlantiks in namhaften Galerien vertreten – und mehr, als nur einmal Teil einer Biennale. Was indessen nur einen Teil der Bühnen darstellte, auf denen er sich bewegte, zumal sich der Wahl-Römer auch als Filmemacher und Rock-Musiker einen Namen machte. Nicht zuletzt brachte ihn seine Liaison mit der englischen Sängerin und Ex-Groupie Marianne Faithfull 1969 in die Schlagzeilen.

 

Die er auch in anderer und eher zweifelhafter Hinsicht machte, da Schifano Zeit seines Lebens, das 1998 in Rom endete, mit Drogenproblemen zu kämpfen hatte. Dieser Umstand brachte ihm den Ruf ein, „maledetto“ zu sein: verflucht!

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