SAMMLUNG STEINLE

SAMMLUNG STEINLE

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Das Kunstwerk des Monats Dezember 2015

Peter Bömmels, „Haarbild“, 1982, 220 x 200 cm

Aus dem „Neuen Wilden“ ist ein älterer geworden. Was man mit 64 Lenzen auch sein darf. Geändert hat sich der an Wildheit von einst indessen wenig. Immer noch lodert das ungestüme Feuer in Peter Bömmels Kunstsinn und motiviert zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Zeit- und Ungeist. Und nach wie vor erteilt er plakativen Botschaften eine Absage. „Kunst, wie ich sie meine“, schrieb er einst seiner Meisterklasse der Dresdener Hochschule für bildende Künste ins Stammbuch, „begnügt sich, die Glut der Geheimnisse zu schüren, sie offen zu halten. Auf dass diese Spannung weitere Klärung provoziere und gestimmte Erkenntnisse zeitige!“

 

Als Vertreter der „obsessiven Malerei“ hatten sich Bömmels und andere junge Künstler Anfang der 80-er Jahre die Freiheit genommen, mit ihren radikal subjektivistischen Gemälden im Großformat expressiv gegen Vorlagen von Georg Baselitz, Anselm Kiefer und Sigmar Polke zu rebellieren. Was da an ironischen Arbeiten im Kölner Gemeinschafts-Atelier von Peter Bömmels, Hans Peter Adamski, Walter Dahn, Jirí Georg Dokoupil, Gerard Kever und Gerhard Naschberger entstand, polarisierte die Fachwelt stark, eroberte aber in kurzer Zeit den Kunstmarkt. Allein der Name ihrer Adresse war Programm und Gruppen-Nomenklatur:  „Mülheimer Freiheit Nr. 110.“

 

In eine Schublade gesteckt werden wollte er indessen nicht. Um einer Etikettierung als wilder, bunter Maler entgegenzuwirken, fertigte er Haarbilder an. Während aufgeklebte Haarlinien auf weißlich getöntem Ölgrund die grafische Form zum Ausdruck brachten, ließen dickere Büschel ein haptisches Gesamtbild entstehen. Was den gewollten Effekt erzielte, die Aufmerksamkeit der Betrachter auf die reine Bildaussagen zu lenken. An Ironie mangelte es allerdings auch den Haarfigurationen nicht – vor allem nicht jenen des Titels „Im Namen der Dritten Natur“. Diesen 25 Blättern war jeweils ein Satz zugeordnet: „Wachsen die Haare nicht mehr, wächst der Kopf“ oder „Liebe deine Straße, gönn’ ihr den Tunnel!“

 

Kunst war und ist für ihn noch nie eine Einbahnstraße. Nicht von ungefähr hat er einst das Musikmagazin „Spex“ herausgegeben, zumal er - zugegeben subjektiv - „bei einigen Musikern benachbarte Gefühls- und Haltungswelten“ erkannt hatte. Bob Dylans künstlerische Manie etwa, dessen Vielschichtigkeit und Wandlungen, als auch die Fähigkeit, sich immer wieder zu erfinden und alte Klassiker neu zu interpretieren, haben es ihm angetan: „Jedes Konzert ist ein neues Bild.“

 

Die alte geblieben ist die Botschaft des Kunstprofessors an seine Studenten, „gefühlte, geahnte, gesehene Zustände sich und anderen mittels Bild-Form vorrätig“ zu machen: „Male, reiße, haue, grafiere, stelle, bewege, knüpfe, sinne, denke Bilder. Gleichwohl, doch eigne sie!“ So schließt sich der Kreis zwischen Künstler und Sammler.

 

 

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